Montag, 1. August 2011

Abspann

Die Türen des Zuges schlossen sich, Jan setzte sich an ein Fenster, in meiner Nähe. Ich sah, wie ihn die Tränen runterflossen. Er sah kein mal her. Der Zug fuhr mit einem lauten Geräusch los, doch ich nahm es nicht wahr.
Da blickte Jan einmal her.
Sein Blick sprach tausend Bände.
Eigentlich hätte ich erleichtert sein sollen, dass es endlich hinter mir lag, aber irgendwie spürte ich ebenfalls, wie mir die Tränen am Gesicht runterliefen.
Dies war der Abschied.
Der Abschied einer tollen, aber dennoch kurzen Beziehung mit Jan.
Ich liebte ihn nicht wirklich, das wurde mir leider zu spät bewusst.
Ich wusste, dass ich es beenden müsste, sonst wäre es am Ende noch schlimmer gekommen.
Aber ich würde Jan immer als besten Freund in meinen Gedanken behalten.
Ob er mir irgendwann verzeihen würde, das muss ich abwarten.
Aber ich hoffte es sehr.
Denn wir hatten eine tolle, gemeinsame Zeit als Freunde.
Die uns keiner nehmen konnte, niemals.
Aber ob Jan diese Zeit genauso gut in Gedanken hielt, wusste ich nicht.
Und ob er jemals unsere Freundschaft zurück haben wollte.

Ich hatte ihn das Herz gebrochen.
Nie zuvor hatte Jan eine feste Freundin gehabt, nie zuvor hatte er es so ernst gemeint, wie mit mir.
Bestimmt dachte er, ich hätte mit ihn nur gespielt.
Aber das ist gelogen, denn ich dachte eine Weile wirklich, dass ich ihn lieben würde. Er gab mir das Gefühl, besonders zu sein.
Er gab mir das Gefühl von wahrer Liebe.

„ Auf wiedersehen, mein bester, bester Freund ..“, sagte ich traurig zu mir selbst.
Ich ergriff meine Tasche und drehte mich um.
Auf der andere Seite des Bahnhofes stand bereits Lucas, der auf mich wartete.
Ja, dies ist nun der Schritt in meine Zukunft.
Den werde ich zwar ohne einen Menschen gehen, den ich eigentlich nie verlieren wollte, aber Hauptsache, die Wahrheit ist ausgesprochen.
Jan und ich werden keine Aussprache führen, falls wir uns in den Ferien noch mal sehen sollten, das weiß ich. Dazu habe ich ihn einfach zu sehr verletzt und es würde ihn nur noch mehr im Herzen wehtun, da er mich bestimmt nicht verstehen würde.
Lucas winkte mir zu. Ohja, da steht er. Mein Traumjunge. Ich liebte ihn sehr, ich würde ihn niemals verletzen wollen. Und ich weiß, unsere Liebe war so stark, sie würde lange halten.
Glücklich rannte ich zu Lucas und sprang ihn in seine Arme. Er lächelte und gab mir einen langen, leidenschaftlichen Kuss.

Kapitel 25

„ Aber du musst es ihn sagen. Bevor ihr wieder abreist. Ich habe keine Lust, auf so eine Art Versteckspiel. Aber verstehen kann ich dich trotzdem.“, er lächelte.
Toll. Er versteht mich, meint aber, dass ich es Jan noch morgen sagen muss.
„ Ja, so komisch es auch klingt, Naty. Weißt du, wir haben uns so viel Zeit genommen, wir kennen uns immer besser und ich merke, dass ich dich gar nicht mehr loslassen will. Aber umso länger du Jan vorschaukelst, dass du ihn noch liebst, umso mehr Chancen macht er sich in eurer Beziehung.“, fuhr er fort. Anscheinend hatte ich meine Worte wieder mal laut ausgesprochen.
„ Du hast ja recht. Ich werde es ihn morgen sagen ..“, misstrauisch blickte ich zu Lucas.
Der aber nickte verständnisvoll und nahm meine Hand.
„ Ich liebe dich und es wird mir egal sein, wie weit wir von einander getrennt sein werden. Solange unsere Liebe stark genug ist, wird sie das aushalten.“, er blickte traurig aufs Meer.
„ Lucas, ich werde so oft es geht dich besuchen kommen. Und während der Schulzeit, also Woche, da Telefonieren wir einfach miteinander.“, sagte ich beruhigend, doch Lucas Blick blieb irgendwie leer.
Es stimmt schon, wenn ich morgen abreise, werden wir weit von einander entfernt sein. Hannover ist nicht gerade nah.
Aber irgendwie werden wir das schaffen, das wusste ich.
Weil ich Lucas liebte. Und er mich genauso doll wie ich ihn.

Obwohl wir uns noch nicht so lange kennen, werde ich unsere Zeit hier am Meer nie vergessen. Wie wir glücklich am Strand entlang liefen, Hand in Hand.
Ob dies nur ein Urlaubsflirt ist, da war ich mir nicht so sicher.
Das würde sich herausstellen, wenn ich morgen abfahre.
Darüber machte ich mir jetzt aber keine Gedanken, ich genoss lieber den Moment, den Lucas und ich uns auf dem Boot teilten.

Dann war er da. Der letzte Tag.
Immer wieder versuchte ich mit Jan zu reden, doch er weiste mich in seiner Hektik und Enttäuschung ab. Als der Bus uns nach Lübeck gebracht hatte und wir am Bahnhof standen, platzte mir der Kragen.
„ Jan! Jetzt hör mir doch mal zu!“, schrie ich ihn aufgebracht an. Jan sah mich verwirrt an. „ Was denn?“ Ich nahm tief Luft. „ Ich bin mit Lucas zusammen und ich liebe ihn wirklich. Bei uns hat es irgendwie nie wirklich geklappt, da du immer mein bester Freund sein wirst. Mehr als schwämerei war es für mich nicht.“ Jan starrte mich mit großen, glasigen Augen an. „ Stimmt es?“, fragte er heiser. „ Ja.“, benommen sah ich zu den Zug, der gerade anhielt. Jan nahm seine Tasche und ich sah, wie ihn eine Träne runterlief. „ Dann wünsche ich dir alles Glück der Welt, aber Freunde werden wir nie wieder sein. Ich habe dich ernsthaft geliebt, Naty. Und ich dachte, du mich auch.“, er stieg in den Zug. Ich stand mit offenem Mund da und stellte meine Tasche ab.

Kapitel 24

Als ich zum Ferienhaus zurück ging, begleitete Lucas mich.
Er wollte nicht, dass Jan mich vielleicht wieder bedrängt.
Als ich die Tür leise und vorsichtig öffnete, schlich ich mich hinein und sah, dass die Kerzen alle ausgepustet worden waren.
Auf dem Bett lag Jan, der sich ganz schön breit gemacht hatte.
Er schlief tief und fest.
Ich ging zur Tür und sagte, dass er bereits schon am schlafen wäre.
Erleichtert nickte Lucas und küsste mich zum Abschied auf die Wange.
Dann ging er langsam weg.
Lächelnd blickte ich ihn hinterher, bis er ganz verschwommen war.
Dann schloss ich die Tür und setzte mich auf den Sessel, der gegenüber von dem Bett stand, in dem Jan sich eingerollt hatte.
Ich blieb noch einige Stunden wach, dachte viel nach.
‚ Wie mache ich am besten Schluss? Oder wie sage ich es ihn?’, das waren meine letzten Gedanken, bevor ich endgültig einschlief.

Am nächsten Morgen hatte Jan bereits Frühstück für uns beide gemacht.
Liebevoll rüttelte er mich am Arm, bis ich es registrierte und mich etwas zur Seite drehte.
„ Morgen.“, sagte Jan und wollte mich küssen, doch ich lehnte meinen Kopf ablehnend zur Seite.
Jan hockte sich vor mich und bekam einen traurigen Gesichtsausdruck.
„ Naty, es tut mir wahnsinnig leid, dass ich dich gestern so bedrängt habe. Das wollte ich nicht. Ich dachte nur, du willst es auch ..?“, er stockte.
„ Jan, ich bin noch nicht bereit, um mit dir schlafen zu können.“, meinte ich unausgeschlafen und gähnte herzhaft.
Dann stand ich auf und machte mich fertig.
„ Wohin gehst du?“, Jan zeigte auf das Frühstück, was er auf den kleinen Nachttisch gestellt hatte. Sogar eine Blume lag auf dem Tablett.
„ Es tut mir leid .. Ich muss aber noch etwas mit dem Betreuer klären.“, schon sprang ich nach draußen und knallte die Tür lauthals zu.
Gut gelaunt ging ich den Strand entlang und spürte, wie Lucas meine Hand von hinten ergriff.
Ich drehte mich um und er gab mir einen kurzen Kuss.
„ Ist das okey für dich?“, fragte er schüchtern und nahm meine Hand.
„ Beides ja.“, lächelte ich.

Die letzten Urlaubstage verbrachte ich viel mit Lucas. Jan merkte nicht, dass ich einen Freund hatte, er wunderte sich aber schon stark, dass ich immer weniger Zeit mit ihn verbringen wollte.
Am vorletzten Tag waren Lucas und Tretboot fahren.
Lucas wusste, dass es noch etwas zu regeln gab.
Genauso sehr wie ich es wusste.
„ Naty, wann willst es eigentlich tun?“, Lucas schaute mir tief in die Augen.
„ Ich weiß nicht .. Ich will ihn nicht wehtun, weißt du?“, sagte ich bedrückt.

Sonntag, 31. Juli 2011

Kapitel 23

Lucas grinste süß und nahm seine Hand von meinem Mund.
„ Weißt du, was ich für eine Angst hatte?“, wütend fauchte ich ihn an.
„ Hey, was habe ich gesagt?“, Lucas hob seine Hand.
„ Ich schreie nicht, ich gaffe dich nur an!“, konterte ich lachend.
Lucas nickte verständnisvoll und beugte sich zu mir rüber.
„ Nun erzähl .. Irgendwas muss doch vorgefallen sein, sonst wärst du ja nicht so schnell unterwegs gewesen.“, er kniff seine Augen zusammen, um meinen Gesichtsausdruck bei dem Straßenlicht erkennen zu können.
„ Ich .. bin vor Jan fort gerannt.“, gab ich zu und musterte seinen Blick, der sich ziemlich verengte.
„ Was hat der Idiot dir angetan?“, Wut machte sich in seiner Stimme breit.
„ Er wollte mit mir schlafen ..“, ich konnte so etwas doch nicht einfach einem fast fremden erzählen!
Aber es tat gut, vor allem, da es Lucas war.
Den ich liebte.
Und er liebte mich, das sah man schon an seinen Blicken und seinem Lächeln, wenn ich es auch tat.
Aber jetzt tat Lucas alles andere, als zu lächeln.
Er ballte wutentbrannt seine Hand zu einer Faust, die Knöchel waren weiß.
„ Dieser miese Hund!“, Lucas sprang auf.
„ Nein! Bitte tu ihn nichts an.“, ich flehte schon fast, vor seinen Füßen am Boden.
„ Warum sollte ich das nicht? Niemand tut dir etwas, was du nicht willst.“
Er wandte sich zum gehen, ich aber hielt ihn am Schuh fest.
Tränen quollen mir aus den Augen.
„ Lucas .. Bitte, bitte tu das nicht. Wenn du jetzt zu Jan gehst, dann ist es aus zwischen uns.“, heulte ich, Lucas kniete sich zu mir und nahm mich in den Arm.
„ Liebst du ihn wirklich?“, fragte er bedrückt.
„ Ja ..“, ich hielt inne und korrigierte meine Worte. „ Nein .. Als besten Freund aber ja.“, Lucas küsste mich auf die Stirn und wischte mit seiner Handfläche meine Tränen weg.
Er lächelte etwas und schaute mir tief in die Augen.
„ Wen liebst du dann?“
Ich schaute weg.
„ Wen?“, seine Stimme war lauter.
„ Dich.“, flüsterte ich.
„ Wen? Ich habe das nicht verstanden.“, Lucas war voller Ernst.
„ Dich, kapiert? Ich liebe dich!“, rief ich und schaute ihn wütend an.
Das war nicht lustig, dennoch musste Lucas lachen.
Dann hob er mich hoch und drückte mich fest an sich.
„ Ich liebe dich auch, Naty. Und an liebe auf den ersten Blick glaubte ich erst, als ich dich zum ersten mal am Strand sah.“, flüsterte er mir in mein linkes Ohr. Ich spürte seinen warmen Atem und lächelte, obwohl ich wusste, dass es mit Jan damit zu ende war.

Kapitel 22

Ich stand fassungslos da.
„ Warte!“, schrie ich ihn hinterher, doch er drehte sich kein mal um.
Ohne zu wissen, was ich fühlen sollte, ging ich weiter auf das Ferienhaus zu, wo Jan mich schon erwartete.
„ Da bist du ja.“, er lächelte und drückte mir einen Kuss auf den Mund.
„ Was wolltest du von dem?“, Jan musterte mich.
„ Nur sagen, dass ich ihn nicht liebe, sondern dich.“, ich schaute Jan in die Augen.
Jan lächelte und umarmte mich. „ Und das ist auch gut so, Schatz.“
Dann löste er die Umarmung und hielt mich an den Schultern fest.
„ Warte einen Augenblick, ja?“, er verschwand im Ferienhaus.
Gespannt wartete ich draußen und hörte, wie Jan durch das Ferienhaus auf und ab ging.
Dann kam er endlich raus und winkte mich zu sich.
Er hielt mir die Augen zu und führte mich ins Haus.
Als er seine Hände wegnahm, sah man überall Kerzen leuchten. Es sah aus, als wären es tausende.
Bevor ich etwas sagen konnte, schob Jan seine Hand unter mein Shirt und küsste mich.
Ich nahm erschrocken seine Hand weg und ging einen Schritt zurück.
„ Jan ..“, ich traute mich nicht, es auszusprechen.
„ Komm schon, die Gelegenheit gibt es nur einmal ..“, sagte er und leckte sich begierig über seine Lippen.
Er ging auf mich zu und fing an, mich am Hals zu küssen.
„ Ich will das nicht!“, sagte ich deutlich und ging schnell an ihn vorbei, aus dem Haus raus.
Jan rannte mir hinterher.
„ Alles war so perfekt, der Moment, die Stimmung, die Lichter!“, seine verzweifelte Stimme schrie umsonst.
Ich ging stur geradeaus zur Stadt.
Als ich Jan’s Stimme nicht mehr hörte, dachte ich, er sei hinter mir her.
Ich fing an, zu rennen.
Die hellen Laternen machten es mir schwer, die Wege der Straßen zu erkennen. Aber ich hatte irgendwie Angst.
Plötzlich merkte ich eine Gestalt, die hinter mir her lief.
Ich rannte noch schneller und erreichte nach einiger Zeit schwer atmend einen Hafen, wo Boote standen.
Ich versteckte mich hinter einem Boot, das weiß und sehr groß schien.

„ Was ist passiert?“, eine Hand legte sich auf meine Schulter.
Schreiend zuckte ich zusammen.
Der Mund wurde mir zugehalten, die Person drehte mich um.
Es war Lucas.
Besorgt sah er mich und sagte ruhig „ Bitte schrei nicht noch einmal den Hafen zusammen, sonst kann ich meine Hand nicht wegnehmen.“

Kapitel 21

Ich ging rüber zu Lucas, der immer noch wütend war, sich aber verwirrt den Sand abwischte.
„ Was war das denn?“, rief er mir fragend zu.
„ Keine Ahnung.“, ich schüttelte meinen Kopf.
„ Wollen wir etwas spazieren gehen?“, Lucas hielt mir seinen Arm hin, in den ich mich einhakte.
Eine Weile gingen wir schweigend den Strand entlang.
Dann brach Lucas endlich das schweigen und setzte sich mit mir auf dem weichen Sand.
„ Sag mal ehrlich .. Was wollte der von mir?“
Ich blickte auf den Sand und malte mit dem Zeigefinger rum.
„ Ich weiß nicht .. Dich verprügeln?“   
Lucas lachte leise. „ Ja, das habe ich mir auch schon gedacht .. Nur warum?“
Ich hüstelte leise vor mich und sah Lucas kurz ins Gesicht, bevor ich meinen Blick wieder senkte.
„ Er ist dein Freund, oder?“, Lucas Stimme brach ab.
„ Woher weißt du das?“
„ Ich hätte es mir schon denken können. Romantischer Spaziergang am Strand .. Schon klar. Ich dachte aber, du wärst es nicht, deshalb ..“, seine Stimme wurde immer unverständlicher, bis er aufhörte zu reden.
Ich blickte ihn an und fragte „ Deshalb was?“
Lucas senkte seinen Blick und meinte leise „ Deshalb habe ich dich angeflirtet.“, er lächelte kurz, doch dann verschwand es wieder.
„ Oh.“, mir verschlug es die Sprache.
Niemand wollte bisher was von mir wissen und nun zwei auf einmal?
Das war unfair.
„ Was ist unfair?“, Lucas starrte mich an.
„ Oh, habe ich das laut gesagt?“, fragte ich zurückhaltend.
„ Ja ..“, er lies mich nicht aus den Augen.
„ Tut mir leid, war nicht an dich.“, ich stand auf und ging langsam Richtung Ferienhaus.
Lucas stand ebenfalls auf und folgte mir mit schnellen Schritten.
„ Bitte erzähl es mir. Ich weiß, wir kennen uns nicht, aber ich möchte es wissen.“, seine Augen strahlten vor Neugier.
„ Okey .. Also bisher hatte ich noch nie einen Freund. Jan, also der, der dich schlagen wollte, das war bisher nur mein bester Freund, aber nun sind wir seid einigen Wochen ein Paar. Und ich dachte immer, mich würde keiner lieben, aber dann passierte halt das mit Jan und mir und dann auf einmal kamst du.“
Ich war ratlos, ich wusste nicht, wie ich weiter erzählen sollte.
Lucas schweigte und sah mich immer noch voller Neugier von der Seite an.
„ Glaubst du an Liebe auf dem ersten Blick?“, fragte ich, meine Stimme versagte.
„ Ja.“, sagte Lucas und hielt meinen Arm.
Er schaute mir tief in die Augen und küsste mich.
Nach einigen Sekunden schreckte er zurück und ging fort.

Kapitel 20

Krass, wie schnell man sich in jemanden verlieben kann.
‚ Soll ich es Jan sagen? Und wenn ja, wie nur?’, dachte ich, während Jan meine Hand nahm, um mich aus dem Ferienhaus zu ziehen.
Wir wollten einen Spaziergang am Strand machen. Es war schon spät Abends, die Sonne ertrank Rot im Meer.
Es war ein wunderschöner Anblick.
Jan bemerkte, dass ich tief in Gedanken war. „ Woran denkst du grad?“
„ An .. nichts.“, ich schaute extra weit über Jan’s Schulter, damit ich nicht seinen ‚Ich-habe-dich-durchschaut-Blick’ sehen musste.
Den hatte er nämlich echt gut drauf.
„ Du lügst.“, lachte er leise.
„ Gut, du hast ja recht.“, gab ich kleinlaut zu.
„ Woran denkst du dann?“, hakte Jan nach und blieb vor mir stehen.
„ Ich .. Ich denke an ..“, bevor ich noch weiter rumstottern konnte, sah ich, wie eine schwarze Gestalt auf uns zu lief.
„ Da kommt jemand auf uns zu.“, zischte ich und wollte verschwinden.
Jan aber blieb stehen, also tat ich es auch.
„ Hey, du bist doch das hübsche Mädchen vom Strand, oder?“, es war der Junge. ‚ Oh nein, nicht jetzt.’, dachte ich und nickte ihn zu.
„ Wusste ich doch.“, grinste er und stellte sich neben Jan, der ihn aufmerksam musterte.
„ Wer bist du?“, fragte er in einem unhöflichen Ton.
Der Junge blieb aber gelassen. „ Lucas. Darf ich vorstellen: Lucas Hapert.“, er drehte sich im Kreis und lachte.
Mir huschte ebenfalls ein kurzes Lächeln über die Lippen.
Lucas.
Ein Name, der für mich, sehr gut zu ihn passte.
Lucas kam auf mich zu und nahm meine Hand.
„ Und wie ist ihr Name, wunderschöne Frau?“, lächelte er und sah in meine Augen.
„ Naty.“, hauchte ich und er spürte meinen warmen Atem.
Er atmete tief ein und wieder aus, bevor er einen Schritt zurück ging.
Jan stand einfach da. Sein Gesicht hatte bereits schon die Farbe einer Tomate, er war ziemlich wütend.
Doch, als Lucas sich bei mir einhaken und fort gehen wollte, griff er ein und schubste Lucas hart weg. Lucas landete im Sand und stand ebenso wütend auf, um Jan eine zu verpassen.
Da schritt ich ein und schrie „ Hört auf!“, beide blieben stehen.
„ Ich mach dich fertig.“, Jan’s Augen glänzten vor Schadenfreude.
„ Ganz langsam, Kumpel .. Ich weiß gar nicht, was ich dir so schlimmes getan habe.“, Lucas hielt sich schützend seine Hände vor die Brust.
„ Du hast ..“, ich nahm Jan zur Seite, bevor er weiter reden konnte.
„ Was soll das?“, fragte er genervt.
„ Das sollte ich eher dich fragen.“, meinte ich und sah ihn ernst an. „ Lass mich und Lucas bitte einen Augenblick allein, ok?“, Jan nickte nur und ging.