Sonntag, 31. Juli 2011

Kapitel 10

Als Jan seine Hände wegnahm und um mich schlang, lies ich es zu.
Er presste mich gegen die Wand neben der Tür und wollte mich gerade leidenschaftlich Küssen, aber nahm all meine Kraft zusammen und drückte ihn von mir weg.
Jan sah mich irritiert an, ich aber war stocksauer.
Eigentlich hätte ich gar keinen Grund dazu haben sollen, aber ich war es einfach.
Ich hob meine Hand und schlug zu, traf seine rechte Wange, auf der er nach meinem Ausrutscher beschämt seine Hand legte.
Mit glasigen Augen sah er mich an.
„ Ich .. ich wollte das nicht ..“, fing ich zu stottern an, aber Jan öffnete bereits seine Klassentür.
„ Jan, scheiße, es tut mir leid!“, rief ich mit traurigen Unterton, als er in die Klasse ging.
„ Zu spät.“, er drehte sich bei den Worten zu mir um, schloss dann aber die Tür hinter sich.

Bestürzt ging ich zu meiner Klasse. Aber ich ging nicht hinein. Ich stand nur vor der Tür.
Gedankenverloren stützte ich mich neben der Tür ab.
Warum wollte Jan mich küssen?
Warum jetzt?
Viele Fragen schossen mir durch den Kopf.
Ich war zu aufgewühlt, um jetzt still im Klassenraum zu sitzen.
Ich beschloss, etwas raus zu gehen, frische Luft zu schnappen, damit ich klare Gedanken fassen kann.
Als ich draußen war, rannte ich los. Erstmal vom Schulgelände, dann auf ein naheliegendes Feld, das bereits zu blühen anfing.
Ich kämpfte mich durch die Blüten, zur Mitte.
Dort sank ich zu Boden und schloss meine Augen.
Als ich wieder aufwachte, war bereits schon Mittagspause.
Ein Blick auf meine Uhr und schon brach Panik in mir aus.
An der Schule angekommen, tummelten sich ein paar Schüler auf dem Schulhof herum.
Auf direkten Weg zum Lehrerzimmer überlegte ich mir, was ich sagen sollte.

„ Ich wurde überfallen.“, lachend blickte ich zu Boden.
Quatsch, das ging auf keinen Fall.
Ich bemerkte nicht, dass Jan mir gegenüberstand.
Als ich aufblickte, schaute ich direkt in sein Gesicht. Er sah sehr mitgenommen aus.
Ich bekam kein Wort raus, obwohl ich so gerne etwas gesagt hätte.
Jan blickte mich noch eine Weile an, bevor er sich an mir anrempelnd vorbei drängte.
Ich sah ihn hinterher, wollte ihn aber nicht folgen.

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