Sonntag, 31. Juli 2011

Kapitel 6

Erschrocken drehte ich mich um.
Es war Jan.
Sichtlich amüsiert grinste er mich an.
„ Hast du mir eine Angst eingejagt!“, schrie ich ihn zu, aber gegen den Bass, der aus den Boxen dröhnte, hatte ich keine Chance.
Jan legte seine eine Hand ans Ohr, um zu signalisieren, dass er mich nicht verstanden hatte.
Ich ging zu der Anlage und drehte die Lautstärke sichtlich runter, bis kaum etwas von der Musik zu hören war.
„ Du hast mir Angst eingejagt, Jan.“, lachte ich und setzte mich mit ihn auf das Sofa.
Erst jetzt bemerkte ich, dass Jan in meinem Wohnzimmer, neben mir auf dem Sofa saß. „ Wie hast du hergefunden?“, fragte ich verwirrt.
„ Mit meinem Roller.“, meinte Jan und sah sich sichtlich interessiert um.
„ Oh, tschuldigung. Soll ich dir mein Haus zeigen?“, fragte ich und hielt ihn meine Hand hin.
Jan ergriff sie und als er auf festen Füßen stand, zog er mich an sich ran und umarmte mich.
Ich spürte seine warmen Hände und seinen angenehm kühlen Atem, der mir leicht durch die Haare fuhr.
Mir wurde die Situation unangenehm, also legte ich meine Hände an seinem Bauch und drückte ihn sanft von mir weg.
Dann hakte ich mich bei Jan ein und führte ihn durch mein Haus.
Jan war noch nie zu besuch bei mir.
Die meiste Zeit trafen wir uns außerhalb der Schule an Orten, die wir in der Stadt ausmachten, oder auch manchmal bei ihn zuhause.
Aber noch nie, wirklich nie, war er bei mir.
Ich habe ihn schon immer gesagt, dass es mir unangenehm sei und er nickte verständnisvoll.
Doch nun war er doch hergefahren.
Nachdem ich ihn alles gezeigt hatte, nahm Jan meine Hand und zog mich zurück in das Wohnzimmer.
Er ging zu der Anlage und drehte etwas leiser.
Verdutzt hielt er sein Ohr an eine Box und sah mich verwundert an.
„ Andere Richtung.“, lächelte ich und Jan drehte in die andere Richtung.
„ Wo schaltet man ein anderes Lied an?“, fragte er wie ausgewechselt.
Er klang so liebevoll, nicht so freundschaftlich wie sonst immer.
Ich zeigte ihn wo und er schaltete viele Lieder weiter, bis er bei einem lauschte, wo der Anfang von einem Klavier begleitet wurde.
Wie ein Gewinner im Lotto lächelte er und drehte sich zu mir um.
Ich habe alles nur verwundert beobachtet und sah ihn nun verwirrt an.
Jan lies sich davon nicht abbringen und ging langsam, mit großen, ruhigen Schritten auf mich zu.
Er ergrifft meine Hand, die sich meiner Meinung nach, schwitzig anfühlte.

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