„ Ich lasse erst los, wenn du dich abregst und mir mal gut zuhörst!“, verlangte er mit einer ruhigen Stimmlage.
„ Gut, wenn es sein muss.“
„ Ja, muss es.“, er ließ los und ich sah ihn fragend an.
Er ging einen Schritt auf mich zu und legte seine Arme um meine Hüfte.
Seine Augen hatten nicht mehr so einen harten Ausdruck, sondern sie sahen weich und verständnisvoll aus.
Da schossen mir Tränen in die Augen, ich weiß auch nicht, warum.
Es passierte einfach.
Jan sah mich mitfühlend an und drückte mich ganz fest an sich.
Eine Weile standen wir dann so da.
Bis jemand „ Jan, dein Bus ist da!“ rief und Jan seine Arme lockerer ließ.
Er streichte mir mit seiner einen Hand liebevoll über die Haare, mit der anderen hielt er seine Umhängetasche fest, damit sie gleich beim Laufen wohl nicht runterfallen würde.
„ Keine Sorge, ich habe schon eine Idee, um dich zum strahlen zu bringen.“, flüsterte er und gab mir einen Abschiedskuss auf die Wange.
Lächelnd sah ich ihn hinterher, wie er zum Bus rannte, noch einmal hersah, winkte und dann endlich einstieg.
Mein Bus kam immer als letztes.
Kein Wunder, bei so einem Landeibus. Er war klein, kein Linienbus, wie alle anderen, mein Bus war eher ein Witz im Gegensatz zu den anderen Bussen.
Aber bei so weinigen Menschen, die wie ich, auf dem Land lebten, ist es auch normal, dass die vom Busunternehmen keinen Linienbus, der dann eh halb leer sein würde, durch die staubigen Landstraßen schicken würden.
Als ich ausstieg, musste ich immer noch an Jan’s Worte denken, die er zum Abschied gesagt hatte.
Was für eine Idee er wohl hatte?
‚ Tja, dass wirst du wohl erst morgen erfahren, meine liebe.’, dachte ich mir und machte mich auf den Weg nach Hause.
Kurz vor meinem Haus kam mir schon meine Katze Molly entgegen.
Molly holte mich sozusagen immer von dem Bus ab, sie wusste immer, wann ich nach Hause komme.
Lächelnd hob ich Molly hoch und blickte ihr in ihre kleinen Äuglein.
Noch nie zuvor habe ich eine Katze wie sie geliebt.
Wir hatten schon viele Katzen und Kater vor Molly, aber die sind entweder gestorben, weggelaufen oder wir haben sie weggegeben.
Das war immer ein harter Schlag, aber daran muss man sich wohl gewöhnen, wenn man auf dem Land lebt.
Hier ist so etwas normal, meint mein Dad immer.
Als ich die Haustür öffnete, rannte Molly bereits zur Küche. Ich ging ihr langsam hinterher.
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